Am 11. Oktober 2026 begab sich Susanne auf eine besondere Zeitreise: Beim Kata-Lehrgang „Kururunfa in der Yuishinkan Variante“ von Brigitte Kipke-Osterbrink und Jens Evers im TV Jahn Rheine beschäftigten sich knapp 30 Karateka verschiedener Alters- und Erfahrungsstufen intensiv mit der Kata. Brigitte, eine ehemalige Teamkollegin von Susanne, führte die Teilnehmenden dabei tief in die Besonderheiten dieser alten Form hinein.

Tomoharu Kisaki gehörte zu den frühen japanischen Gōjū-Ryū-Meistern, die bei Chōjun Miyagi aus Okinawa lernten. Kisaki gründete 1954 in Osaka das Yuishinkan, dessen Schule Fritz Nöpel später nach Deutschland brachte. Brigitte hatte zum Lehrgang ein gezeichnetes Ausführungsdiagramm der Kururunfa mitgebracht, das Fritz Nöpel 1995 verteilt hatte – ein greifbares Stück Karategeschichte! Dabei wurde einmal mehr deutlich, warum Yuishinkan zu den Go-lastigen Ausprägungen des Goju-Ryu gehört.

Kururunfa bedeutet sinngemäß „fortwährendes Brechen“. Die Kata, die auch zum Prüfungsprogramm für den 5. Dan gehört, zeigt die ernsten Wurzeln unserer Kampfkunst. Ihre Anwendungen sind kompromisslos und verdeutlichen, dass es ursprünglich um weit mehr als sportlichen Vergleich ging. In einzelnen Passagen werden lebensgefährliche Techniken angedeutet.

Auch im Bunkai, der Anwendung der Kata, zeigt sich die Eigenart des Yuishinkan: der Kampf in engster Distanz, bis hin zur Nulldistanz. Diese Ausprägung brachte der Schule den Beinamen „Telefonzellenkarate“ ein. Telefonzellen gibt es heute kaum noch – die Prinzipien des Kampfes auf engstem Raum sind geblieben.

Was bedeutet das für unser Karate bei Akashi? Auch wenn wir uns heute im modernen Wettkampf messen, ruht unser Karate auf den Fundamenten der Yuishinkan-Schule. Die spezifischen Kata-Varianten und ihre Anwendungen sind kein Gegensatz zum sportlichen Karate, sondern eine wertvolle Ergänzung. Sie schlagen die Brücke zwischen Wettkampf-Kata und dem Selbstverteidigungsgedanken früherer Zeiten.

Es liegt an uns, dieses überlieferte Wissen zu verstehen, seine Prinzipien zeitgemäß auszulegen und zu vermitteln. So wollen wir bei Akashi das Kampfsystem lebendig halten – als Kampfkunst mit Tradition und als Karate für die Herausforderungen unserer Zeit.

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